Die Reisegesellschaft vermehrte sich hier (Almansa) um zwei Cavallerieofficiere, welche den Bürgerkrieg mitgemacht hatten, und so fehlte es wenigstens nicht an interessanter Unterhaltung, um den langen Weg durch die einförmige Gegend zu verkürzen. Doch wird das Land bald hinter Almansa etwas besser. Man sieht wenigstens mehr cultivirten  Boden, hier und da ein von Bäumen umringtes Dorf und die kahlen Felsenkämme, über denen im Osten die hohen Umrisse der valencianischen Gebirge dämmern, rücken allmälig näher an die Straße heran, bis sie mit der schroffen Höhe der Sierra de Chinchilla endigen. Düster und unfreundlich hängt dies Städtchen wie ein Adlernest an dem dürrem, burggekröntem Felsen; kein grüner Halm verräth in seinen Umgebungen die Nähe des Menschen.

Von hier an verwandelt sich die bisher wellenförmige Gegend in eine endlose Fläche ohne Bäume! Staub und Hitze hatten sich bis zur Unerträglichkeit gesteigert; wir lehnten ermattet in den Ecken des Wagens in apathischer Ruhe, aus der uns erst das holprige Pflaster von Albacete aufweckte, wo die Diligence die Nacht über blieb.

Diese Stadt, Hauptort der gleichnamigen, zum Königreich Murcia gehörigen Provinz, liegt in einer völlig ebenen, doch sehr getreidereichen Gegend. Auch wird namentlich viel Saffran hier herum gebaut, aber nur Bäume giebt es keine außer der Ulmenallee der verrasten und verwahrlosten Alameda. Kaum hatte der Wagen gehalten, als uns eine Menge Arbeiter umringten, die uns Messer und blanke Waffen aller Art zum Kauf anboten, namentlich sogenannte „Navajas“, einschlagbare dolchartige Messer mit ein halb bis fußlangen Klingen. Es giebt hier nämlich sehr viele Messerschmiede, die nächst den weltberühmten Fabriken von Toledo die besten blanken Waffen in ganz Spanien liefern. Die langklingigen Navajas sind gesetzlich verboten (auf den bloßen Besitz einer solchen Waffe steht 7 Jahr Zuchthaus !); nichts desto weniger habe ich mit eigenen Augen gesehen, daß sie in den besuchtesten Straßen von Madrid öffentlich verkauft wurden. Je trostloser die Umgegend ist, einen desto angenehmeren Eindruck macht das Innere der Stadt mit seinen lebhaften Gassen und seinen zwar meist blos einstöckigen, aber freundlichen weißen Häusern mit grünbemalten Balcongeländern.

Weniger gefiel mir der Menschenschlag. Es sind mürrische finstere Leute, die gegen den jovialen Valencianer einen unangenehmen Contrast bilden. In den bleichen, gedehnten Gesichtern liegt schon etwas von der schweigsamen und stupiden Melancholie, welche die Bewohner der benachbarten Mancha charakterisiert. Die Tracht des Volkes ist halb valencianisch, halb castilianisch. Sie tragen nämlich noch die Manta und das Kopftuch ihrer südlichen Nachbarn, aber die Zaragüelles sind verschwunden und sie bedecken ihren ganzen Leib mit braunem Naturtuch, in dessen Einförmigkeit blos die blutrothe Schärpe einige Abwechselung bringt.

aus Moritz Willkomm: Zwei Jahre in Spanien und Portugal, 1847

Ich fahre früh los, weil es heute etwas mehr Kilometer sind. Bald schon fahre ich auf dem rot-weiss markierten Wanderweg, der etwas ruppig ist. Schon um 8 Uhr habe merke ich, dass am hinteren Reifen langsam die Luft entweicht. Ein Loch kann ich nicht finden, aber ich wechsle den Schlauch. Bei der Weiterfahrt taucht das Problem gleich wieder auf. Wieso klappt mein Schlauchwechsel nie beim ersten Male? Ich prüfe nochmals die Reifeninnenseite und montiere den Schlauch, welchen ich das letzte Mal geflickt hatte. Jetzt hält es.

Nach einer längeren Abfahrt, wo ich etwas aufpassen muss, geht es auf die Strasse, welche in einem sehr guten Zustand und angenehm zu fahren ist. Ein Schild warnt vor Luchsen. In Hoya Gonzalo trinke ich ein Bier und kaufe Wasser für meine Trinkflaschen.

Dann verlasse ich die Strasse und fahre über Feldwege, welche immer abenteuerlicher werden und einmal nur noch Feld und nix Weg sind durch Reben, Solaranlagen und Windgeneratoren. Der Weg wird wieder besser, folgt der Autobahn und später der Eisenbahnlinie.

Meine Strecke (Komoot: Camino de Levante) führt ins Dorf Chinchilla de Montearagón hinein und schnurtstracks steil zur Burg hinauf. Die Aussicht ist beeindruckend, nur noch weites, ebenes Land!

Jetzt geht es parallel zur Autobahn nach Albacete, welches sich seit Willkomms Zeit definitiv gemausert hat. Nicht verschwunden ist die Präsenz von Don Quijote und Sancho Panza. Schöne Alleen, eine angenehme Fussgängerzone und viele Geschäfte bedienen alle Bedürfnisse. Ich beziehe mein Zimmer im Hotel Costilla (44 € pro Nacht) und kriege einen Platz für mein Rad. Ich gehe in der Bar Leo Mittagessen, das Tagesmenü kostet 15€. Ich bestelle zur Vorspeise Cazpacho manchego, in der Annahme, dass das auch so eine kalte Tomatensuppe sein wird. Als ich dann einen Hühnereintopf mit Gemüse und Teigfläden kriege, frage ich, ob das wirklich das Bestellte sei. Ja klar, das ist Gazpacho manchego. Und noch eine Erleuchtung: manchego bedeutet: aus La Mancha. Ist ja eigentlich logisch, aber das hat bei mir jetzt lange gedauert, bis ich es begriffen habe. Und der Manchego ist eben ein Käse aus der Mancha!

Nach dem Essen wasche ich meine Wäsche in der Lavanderia. Während die Waschmaschine arbeitet, mache ich einen Stadtspaziergang, dann ist der Wäschetrockner angesagt, und als alles sauber und trocken ist, finde ich auf dem Weg zurück eine hübsche Heladeria, wo es spannende Sorten gibt.