In dem Speisesaale der gewaltig großen Posada, deren geräumiger Hof wie in einem Kloster von dreifach über einander gesetzten Säulengallerieen umgeben war, zogen einige bunt gekleckste Bilder, wie sie zu Tausenden in Paris fabricirt werden, mit spanischen und französischen Erklärungen meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie stellten nämlich Scenen aus Don Quijote vor und verkündeten mir die Nähe von dem Vaterlande dieses edlen Ritters, an dessen wahrhaftige Existenz der gemeine Spanier steif und fest glaubt. Der große Dichter, dessen eminenter Geist dieses classische Werk erschuf, ruht in Vergessenheit; seine Schöpfung aber lebt unsterblich im Munde des Volkes und sein erdichteter Ritter hat ebenso große Berühmtheit erlangt als der Cid und mancher andere geschichtliche Held früherer Jahrhunderte. Beiläufig bemerke ich, daß der Don Quijote in den Volksschulen als Lesebuch benutzt wird, und wenn auch die Leser nicht die Tendenz des Buches verstehen, so dürfte man sicher schwerlich ein besseres Muster ächt classischer castilianischer Schreibart haben auffinden können.
Da wir bereits um 5 Uhr Nachmittags nach Albacete kamen und zwölf volle Stunden hier zu bleiben verurtheilt waren, so berathschlagten wir, auf welche Weise man die Zeit in diesem von der Civilisation bereits fern liegendem Orte todtschlagen solle. Endlich ergab es sich, daß ein Cafe in der Stadt existire, eine Seltenheit in den kleineren Städten des Innern. Dafür giebt es desto mehr Conditoreien, selbst auf den Dörfern, denn es ist ganz entsetzlich, was die Spanier für Süßigkeiten vertilgen! Ich für meine Person liebe nun die Süßigkeiten eben nicht besonders und konnte daher diesem Vorzuge Spaniens keinen so großen Reiz abgewinnen als wie die Frau Gräfin Hahn-Hahn. Doch ich will meine Leser nicht mit meinen gastronomischen Liebhabereien langweilen, sondern sie lieber in das gepriesene Cafe von Albacete führen. Ich und die beiden Cavallerieofficiere unternahmen die Entdeckungsreise zur Auffindung dieses einzigen Vergnügungsortes, den wir endlich nach langem Suchen in der Hauptstraße, der Calle de Zapateros, fanden. Diese verdient ihren Namen in der That, denn vom erstem bis zum letztem Hause sieht man nur Schuhmacher, und da sie sämmtlich nach beliebter südlicher Sitte auf offener Straße arbeiten und jeder Meister wenigstens ein halbes Dutzend, nicht Schusterjungen, Gott bewahre! sondern junger Mädchen unterhält, um die respectiven Schuhe und Gamaschen zusammen zu nähen, so kann man sich denken, was es für einen Spectakel in der Straße giebt!
Die Thüre des Cafe war verschlossen und das Mädchen, das uns öffnete, meldete uns im zierlichstem Castilianisch, daß heute noch kein Kaffee gekocht worden sei aus dem höchst einfachem Grunde, weil sich noch keine Gäste gemeldet hätten; — „wenn aber die gnädigen Herren“ fügte sie hinzu, „ein Viertelstündchen warten wollen, so wird die Mutter eine Unze Kaffee holen lassen, um Ihnen einen ausgezeichneten Kaffee von göttlichem Geschmack (un cafe muy rico de gusto divino) zu bereiten!“ Wir mußten über die Naivetät lachen, mit welcher das graziöse Kind den armseligen Zustand des einzigen Cafes der Stadt ausplauderte, und nahmen an einem rohgezimmertem Tisch im Schatten einer Cypresse in dem holprig gepflastertem Hofe Platz, der das einzige Gastzimmer zu sein schien, um zu warten bis der versprochene Göttertrank fertig sein würde. An ein Billard war nicht zu denken, und die Zeitungslectüre beschränkte sich auf das Boletin de Provincia, voll von Edicten, Edictalladungen und Regierungsdecreten. Endlich erschien unsere Hebe, die übrigens in einem etwas schmutzigem und stark verblichenem Gewande steckte, über dessen ursprüngliche Farbe die Meinungen getheilt waren, mit drei Tassen und einer großen Theekanne, deren Anblick uns bei dem Gedanken entsetzte, daß eine einzige Unze (1/12 Pfund) dazu hingereicht haben sollte, um dieses Gefäß mit göttlichem Kaffee zu füllen. Aber wir hatten uns nicht getäuscht. Hell wie das reinste Gold quoll die krystallene Flüssigkeit rauchend aus dem Geschirr und däuchte uns wirklich Nektar der olympischen Götter. Indessen würzte uns die kleine Rosita dieses Göttermahl mit allerliebsten Geschichten, die sie theils von den wunderbaren Schätzen zu erzählen wußte, welche in der benachbarten Burg von Chinchilla von einer maurischen Prinzessin vergraben worden wären und in einem unterirdischem Palast, wo diese Dame selbst verzaubert säße, von zwei fürchterlichen Drachen bewacht würden; theils von dem mächtigem Ritter Don Quijote, der vor vielen, vielen Hundert Jahren in dieser Gegend gehaust und in dessen Gefolge sich auch ein gewisser Cervantes befunden habe, der nach seines Herrn Tode weit, weit in die Welt hinausgegangen und in den Krieg gegen die Türken gezogen sei! Kurz, das Mädchen wußte uns durch ihr Gemisch von Dichtung und Wahrheit so gemüthlich zu unterhalten, daß die Sterne längst am Himmel glänzten, als wir in unsern Gasthof zurückkehrten.
aus Moritz Willkomm: Zwei Jahre in Spanien und Portugal, 1847
Mein Fahrrad ist wieder ziemlich schmutzig, darum suche ich eine Waschanlage. Die ist nicht weit vom Hotel, und ich sehe auf der Fahrt dorthin gleich noch den Bahnhof.
Der Hinterreifen meines Velos ist jetzt ziemlich abgefahren, nach dem Platten von gestern denk ich, es wäre besser, einen neuen aufzuziehen. Google gibt mir Doctor Bike an, gemäss Rezensionen macht der auch Reparaturen. Der sollte um 7 Uhr öffnen, aber um Viertel vor Neun läuft da noch nichts, also gehe ich erst mal einen Kaffee trinken. Die Stierkampfarena ist auch gleich nebenan, ich knipse ein paar Fotos. Nach neun Uhr ist jemand im Laden, der Herr fragt mich, was ich brauche und erklärt dann, dass er nur Dämpferservice mache. So viel zu Google Bewertungen. Die nächste Hoffnung ist Mammoth Bikes. Der Mechaniker ist sehr beschäftigt und kann mir heute nicht helfen, aber einen Reifen kann ich kaufen. Ich nehme gleich noch zwei Ersatzschläuche dazu.
Mit meinem neuen Errungenschaften fahre ich zum Parque Abelardo Sánchez, dort hat es nämlich Bänke und Schatten. Ich kann da ungestört arbeiten, entferne den alten Reifen und montiere den neuen. Das klappt viel besser als letztes Mal. Der Reifen ist diesmal ein Continental, und er flutscht mit etwas Handarbeit ohne Probleme in die richtige Position.
Die Kette ist ja auch frisch gewaschen, darum erhält sie frisches Kettenöl. Ich drehe eine Testrunde im Park, scheint alles in Ordnung. Ich bringe das Velo zurück ins Hotel.
Ein Spaziergang bringt mich zur Kathedrale San Juan Bautista.
Der Bau begann 1515, wurde aber 1597 eingestellt. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde versucht, den Bau zu vollenden. Er wurde jedoch erst im 20. Jahrhundert mit der Fertigstellung des dritten Abschnitts und der Errichtung der Hauptfassade abgeschlossen. Im Inneren dieser Kathedrale befindet sich das größte Gemälde der Welt. Die Kapelle der Virgen de los Llanos ist ein weiteres Highlight im Inneren.
Das Riesengemälde bedeckt die ganzen Kirchenwände und ist originell. Die Ausschmückungen der diversen Kapellen finde ich schrecklich.
Die Stadt hat viele originelle Häuser, und auch die Einkaufsstrasse Pasaje Lodares ist recht hübsch. Dort gibt es einen Messerladen. Wie Willkomm erwähnt, ist Albacete neben Toledo eine wichtige Stadt der Messerschmiede.
Die Messer von Albacete sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt und werden heute auf der ganzen Welt von Besteckliebhabern und Sammlern anerkannt.
Dann ist da noch die Calle Zapateros, wo Willkomm die Schustermädchen bei der Arbeit beobachtet hat. Die Strasse gibt es noch, allein, Schumacher habe ich keinen einzigen gesehen, nur noch ein einsames Schuhgeschäft.
Die Posada, wo Willkomm und seine Reisegesellschaft gerastet haben, existiert ebenfalls noch. Leider ist sie im Juli und August geschlossen, sodass ich nur Fotos von aussen machen kann.
Im 16. Jahrhundert beherbergte dieses Gebäude Reisende. Es ist ein Beispiel für die Volksarchitektur der Stadt. Heute beherbergt es die Stadtbibliothek.
Zweistöckiges Gebäude mit einem Renaissance-Innenhof. Die Hauptfassade weist einen Mittelbogen auf, der den Hauptzugang zum Gasthaus darstellt. Es verfügt über einen kleinen Kreuzgang mit acht Säulen und im oberen Teil über eine hölzerne Galerie. Auf einer Seite befindet sich die Fassade der Casa de los Picos, die von einem anderen bedeutenden Gebäude der Stadt stammt und in das Gebäude integriert wurde.
Ich komme am Restaurant El Alambique vorbei und entscheide mich spontan, dort zu essen. Ich bestelle Sepia al la Plancha. Der Kellner empfiehlt mir zur Vorspeise Croqueta de Rabo de Toro (Ochsenschwanz) und Croqueta de Bacalao. Das schmeckt ganz vorzüglich, vor allem die fruchtige Sauce beim Rabo fand ich köstlich. Auch der Tintenfisch ist gut. Zum Dessert gehe ich ins El Portalico, hier schmeckt das Glacé gut.
Ich kaufe Wasser und Früchte für die Weiterfahrt und ein Runner’s World für die Siesta.