Gegen Sonnenuntergang erreichten wir Manzanares, eine ziemlich hübsch gebaute Stadt mit einer schönen Kirche an dem von zweistöckigen Säulenhallen umringtem Constitutionsplatze, beherrscht von einem altem vielthürmigem Castell. Die Gegend ist hier zwar ganz eben, aber reich an Getreide und Saffran. Das Merkwürdigste aber war mir ein blindes Mädchen, welches nachdem „Parador“ oder dem Gasthofe, wo die Diligencen die Pferde wechseln, kam, um von den Passagieren eine kleine Contribution zu erheben. Sie war in einem Kloster erzogen worden und improvisirte mit seltener Fertigkeit gereimte Verse in spanischer und lateinischer (!) Sprache auf jeden beliebigen Gegenstand. Jeder der Reisenden bekam von ihr einen Vers, voll von überraschendem Witz, und ich bedaure, mir dieselben nicht notirt zu haben.
Diese Gabe des Improvisirens , die den Bewohnern des südlichen Spaniens angeboren ist, hat mich oft in Erstaunen gesetzt, zumal in Andalusien, wo sich die Bauern oder die Arrieros oft damit die Langeweile vertreiben, daß sie wechselsweise über irgend ein Thema Verse improvisiren und zwar in dem Metrum des Fandango, nach dessen Melodie sie dieselben zu singen pflegen. Gar nicht selten erzählen sich zwei Andalusier, die sich nach längerer Trennung an irgend einem Orte wieder begegnen , ihre gegenseitigen Erlebnisse in dieser lyrischen Weise, wie ich selbst oft zu beobachten Gelegenheit gehabt habe.
aus Moritz Willkomm: Zwei Jahre in Spanien und Portugal, 1847
In meinem Hotel gibt es Frühstück erst ab 9 Uhr. Das ist mir zu spät, darum fahre ich um 7.30 ohne Frühstück los. Ich folge der Autostrasse, die Landschaft ist hügelig, sodass es immer etwas hinauf und hinab geht. Es hat mässig Verkehr, und die meisten Autofahrer und Lastwagen überholen mit genügend Abstand.
Die Landschaft wird flach, die Ebene von la Mancha scheint unendlich gross und die Strasse führt in schnurgerader Richtung. Zum Glück habe ich Rückenwind. Es hat einige Rennradfahrer unterwegs. Lange gibt es keine Ortschaften, aber in Tomelloso kriege ich endlich mein Frühstück. Nach einigen Kilometern Schotter erreiche ich Argamasilla de Alba.
Mehr als vierhundert Jahre lang galt Argamasilla de Alba vielen als der Ort in La Mancha, den Cervantes nicht erwähnen wollte. Die Sonette und Grabinschriften der Akademiker von Argamasilla in Kapitel I, 52 und später in Avellanedas Don Quijote nährten die Überzeugung, dass ein solcher Ort tatsächlich existierte und dass es sich um Argamasilla de Alba handelte.
Obwohl er für die Bevölkerung von Argamasilla sicherlich wichtig ist, gilt er für die Erforschung von Don Quijote, Cervantes und seinem Werk möglicherweise nicht als relevant. Wie dem auch sei, die cervantinische Tradition von Argamasilla de Alba wurde über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weitergetragen und war die Quelle eines einzigartigen Interesses an den Genres Quijotes und Cervantes’.
Die Casa de Medrano stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert und war der Überlieferung von Argamasilla de Alba zufolge das Gefängnis von Don Miguel de Cervantes und der Ort, an dem er sein unsterbliches Werk „Don Quijote de la Mancha“ konzipierte und zu schreiben begann. Diese alte Überlieferung geht auf die Zeit Cervantes zurück, der sich zwar nicht an den Wohnort seines Protagonisten in La Mancha „erinnern“ wollte, sie aber indirekt durch die Anspielungen auf seine eigene Gefangenschaft im Prolog des Buches befeuerte.
1863 verlegte Manuel Rivadeneyra eine Druckerpresse in dieselbe Höhle und veröffentlichte seinen berühmten Don Quijote de Argamasilla mit einem Prolog und Kommentar des Dramatikers und Mitglieds der Königlich Spanischen Akademie, Juan Eugenio Hartzenbusch, der Cervantes‘ Gefangenschaft dort eindeutig bestätigte.
Nach Argamasilla de Alba folgt die Nebenstrasse der Autobahn. An einem Kreisel überholt mich ein Rennradfahrer. Wir kommen ins Gespräch. Er heisst Antonio, wohnt in Membrilla und hat mir über die Bedeutung des oben erwähnten Ortes erzählt. Er begleitet mich bis zu meinem Hotel in Manzanares. Ja, einen Platten habe ich auch wieder, aber mit zwei Mal Pumpen erreiche ich das Hotel ohne den Schlauch reparieren zu müssen.
Ich bin im Hotel Menano, die Leute sind überaus freundlich und hilfsbereit. Ich dusche und gehe im Speisesaal essen. Das Menü kostet hier 14€!
Dann repariere ich den Schlauch. Wieder bringe ich den Reifen nicht sauber auf die Felge, ich probiere sicher eine volle Stunde, mit Aufpumpen, Luft Ablassen, von Hand Richten, sogar Shampoo streiche ich auf die Flanke, es nützt alles nichts, das Biest will nicht. Zum Glück hat es neben meinem Hotel einen Fahrradladen. Der freundliche Angestellte probiert es mit dem Kompressor, siehe da, der Reifen springt in die richtige Position. Der Angestellte will nichts für die Hilfe. Der Laden heisst übrigens Siles km13.
Nun will ich das Manchego Museum besuchen. Auf meinem Weg dorthin höre ich opernhafte Musik aus einem Laden. Es ist ein Coiffeur. Ich trete ein und lass mir die Haare schneiden. Die Musik war übrigens Carmina Burana. Der Haarschnitt kostete 9.50 €. Und der Coiffeur war auch sehr freundlich.
Jetzt geht es zum Manchego Museum. Auch hier werde ich äusserst freundlich begrüsst und über das Museum informiert. Eine hübsche Ausstellung zeigt die Tradition der Hirten in der Mancha und die Käseherstellung. Angeschlossen ist ein weiters Museum über den Stierkämpfer, Maler, Schriftsteller, Kritiker und Dramaturgen Ignacio Sánchez Mejías, welcher 1934 von einem Stier aufgespiesst wurde und starb. Frederico Garcia Lorca hat ihm ein Gedicht gewidmet:
A las cinco de la tarde.
Eran las cinco en punto de la tarde.
Un niño trajo la blanca sábana
a las cinco de la tarde.
Una espuerta de cal ya prevenida
a las cinco de la tarde.
Lo demás era muerte y sólo muerte
a las cinco de la tarde.
El viento se llevó los algodones
a las cinco de la tarde.
Y el óxido sembró cristal y níquel
a las cinco de la tarde.
Ya luchan la paloma y el leopardo
a las cinco de la tarde.
Y un muslo con un asta desolada
a las cinco de la tarde.
Comenzaron los sones del bordón
a las cinco de la tarde.
Las campanas de arsénico y el humo
a las cinco de la tarde.
En las esquinas grupos de silencio
a las cinco de la tarde.
¡Y el toro solo corazón arriba!
a las cinco de la tarde.
Cuando el sudor de nieve fue llegando
a las cinco de la tarde,
cuando la plaza se cubrió de yodo
a las cinco de la tarde,
la muerte puso huevos en la herida
a las cinco de la tarde.
A las cinco de la tarde.
A las cinco en punto de la tarde.
Un ataúd con ruedas es la cama
a las cinco de la tarde.
Huesos y flautas suenan en su oído
a las cinco de la tarde.
El toro ya mugía por su frente
a las cinco de la tarde.
El cuarto se irisaba de agonía
a las cinco de la tarde.
A lo lejos ya viene la gangrena
a las cinco de la tarde.
Trompa de lirio por las verdes ingles
a las cinco de la tarde.
Las heridas quemaban como soles
a las cinco de la tarde,
y el gentío rompía las ventanas
a las cinco de la tarde.
A las cinco de la tarde.
¡Ay qué terribles cinco de la tarde!
¡Eran las cinco en todos los relojes!
¡Eran las cinco en sombra de la tarde!
Auf dem Rückweg komme ich am Gemeindehaus und der Iglesia Nuestra Señora de la Asunción vorbei.